1. Analyse

Um ein Projekt fachlich fundiert planen zu können, bedarf es zunächst einer Analyse der Ausgangssituation. Diese Analyse bezieht sich sowohl auf den thematischen Förderbereich als auch auf die Zielgruppe(n), die mit dem Vorhaben erreicht werden soll(en).

Ausgangsbasis der Umsetzung von Gender Mainstreaming in einem Projekt ist es, im Zuge der Projektplanung den Interventionsbereich des Projekts auch hinsichtlich seiner Gender-Aspekte zu analysieren (= Gender-Analyse).

Eine Gender-Analyse bildet nicht nur die Ist-Situation ab, sondern fragt auch nach Ursachen, Einflussfaktoren und Wirkungen von Ungleichheiten aufgrund von Geschlechterstrukturen. Das heißt Gender-Analysen basieren sowohl auf quantitativen wie auch auf qualitativen Informationen.

  • Ist-Situation: Welche geschlechtsbezogenen Unterschiede gibt es im Interventionsbereich? Je nach Interventionsbereich sind hier ebenfalls weitere soziale Kategorien relevant wie z. B. Altersgruppen, Migrationshintergrund oder Behinderung. 
  • Ursachen und Einflussfaktoren: Was sind mögliche Ursachen der identifizierten Unterschiede? Welche möglichen Einflussfaktoren gibt es?
  • Auswirkungen: Welche möglichen Auswirkungen können die Unterschiede haben?


Voraussetzungen der Gender-Analyse sind das Wissen über Gender-Aspekte im jeweiligen Fachgebiet sowie die Verfügbarkeit von entsprechenden geschlechterdifferenzierten Daten. Wichtige Informationsquellen sind neben Statistiken bspw. auch Studien zu den betreffenden Fachgebieten, Projektberichte von vergleichbaren Projekten sowie Gespräche mit Expertinnen und Experten aus der Region oder dem betreffenden Fachgebiet.


Zum Beispiel: Existenzgründung

Ist-Situation

Männer gründen im Trend häufiger, in jüngeren Jahren, in Vollzeit und mit einem höheren finanziellen Einsatz (Kreditvolumen) als Frauen.

Ursachen und Einflussfaktoren

Ursachen davon können die ungleiche Verteilung von Einkommen und Besitz sein, unterschiedliche Motivationen zur Existenzgründung (etwa als Strategie der Rückkehr in den Beruf nach Erziehungszeiten) und/oder die Notwendigkeit der Vereinbarung von Existenzgründung und Familienarbeit.
Stereotype Selbst- und Fremdwahrnehmung (männlich geprägtes gesellschaftliches Bild vom „risikobereiten und jung-dynamischen Unternehmertyp“) können sowohl das Gründungsverhalten als auch die Angebote von Banken, Beratungsstellen etc. beinflussen.

Auswirkungen

Vermeintlich geschlechtsneutrale Förderbedingungen (z. B. Gründung nur in Vollzeit, mit Mindestvolumen) können zu direkten und indirekten Barrieren führen.

Siehe Expertise Gender-Aspekte in der Existenzgründung


Handelt es sich bei dem geplanten Vorhaben um ein Projekt mit Teilnehmer/innen (z. B. Qualifizierungs- oder Beschäftigungsprojekt, Bildungsprojekt usw.), dann sollte die Gender-Analyse eine genaue geschlechtsbezogene Analyse der Zielgruppe(n) beinhalten, z. B. anhand folgender Analysefragen:

  • Welche verschiedenen Lebenssituationen oder Problemlagen von (bestimmten Gruppen von) Frauen und Männern der Zielgruppe gibt es, aus denen dann entsprechend spezifische Unterzielgruppen abgeleitet werden sollten?
    z. B. Berufsrückkehr nach Betreuungs- oder Pflegezeiten, Alleinerziehende
  • Welche möglichen geschlechtsbezogenen Barrieren beim Zugang und bei der Teilnahme am geplanten Projekt könnten für bestimmte Gruppen von Frauen und Männern der Zielgruppe bestehen?
    z. B. hinsichtlich zeitlicher Flexibilität, Mobilität, finanzieller Situation, Erfüllbarkeit von Zugangsvoraussetzungen, Berufswahlverhalten etc.
  • Gibt es bestimmte Rahmenbedingungen, aufgrund derer Frauen und Männer möglicherweise unterschiedlich von einer Projektteilnahme profitieren können?
    z. B. kann es in männerdominierten Berufen für Frauen schwieriger sein, einen Arbeitsplatz zu finden, während Männer in frauendominierten Bereichen eher in Leitungsfunktionen zu finden sind   
  • Gibt es innerhalb der Zielgruppe(n) weitere zu berücksichtigende Unterschiede zwischen (bestimmten Gruppen von) Frauen und Männern?
    z. B. unterschiedliche Ursachen für Langzeitarbeitslosigkeit wie Alter oder Betreuungspflichten

 

 Quelle: GeM-PraxisHandbuch


Nächster Schritt: Zielformulierung


Zum Weiterlesen

In der Materialsammlung finden Sie Instrumente der Gender-Analyse.


Daten & Fakten

Im Sektor  Daten & Fakten steht Ihnen eine kommentierte Übersicht der Datenquellen zu den Zielgruppen des ESF zur Verfügung. Außerdem finden Sie dort die von der Agentur erstellten Expertisen zu ausgewählten Themenschwerpunkten sowie jeweils eine Sammlung an Literaturhinweisen mit Links und Downloads.