4. Projektauswahl

Für eine durchgehende Implementierung von Gender Mainstreaming in einem Programm ist es notwendig, dass die einzelnen im Rahmen des Programms geförderten Projekte Gender Mainstreaming umsetzen. Dies kann im Verfahren der Projektauswahl sichergestellt werden und bedeutet:

  • Antragsteller/innen werden vorab über die an sie gestellten Anforderungen bezüglich der Umsetzung von Gender Mainstreaming in Projekten informiert (in der Bekanntmachung bzw. der Förderrichtlinie) und dabei wird deutlich gemacht, dass Gender Mainstreaming ein wesentliches Kriterium der Bewertung des Antrags ist.
  • Bei der Begutachtung der eingereichten Projektanträge werden auch die Angaben der Antragsteller/innen zur Umsetzung von Gender Mainstreaming im beantragten Projekt überprüft. Die Gutachter/innen werden darüber informiert, wie sie Gender Mainstreaming in den Anträgen konkret prüfen und bewerten sollen.
  • Die Projektauswahlkriterien enthalten verbindliche Kriterien zur Bewertung der Angaben zur Gender Mainstreaming-Umsetzung in den Projektanträgen.

Begutachtung von Projektanträgen

Im Rahmen der inhaltlich-konzeptionellen Begutachtung der Projektanträge sollten diese auch dahingehend begutachtet werden, ob bzw. in welchem Ausmaß in dem geplanten Projekt Gender Mainstreaming umgesetzt wird.
Ist bei der Auswahl von Projekten die Begutachtung der Anträge durch externe Gutachter/innen vorgesehen, so sollte darauf geachtet werden, dass diese auch über die Gender-Kompetenz zur Beurteilung der Projektanträge hinsichtlich Gender Mainstreaming verfügen oder eine entsprechende Schulung erhalten. 


Beispiel: Die 4 GeM-Schritte zur Begutachtung von Projektkonzepten

Analyse

  • Beinhaltet das Projektkonzept eine hinreichend fundierte Gender-Analyse geschlechtsbezogener Ungleichheiten und Problemstellungen im betreffenden Interventionsfeld?
  • Werden im Projektkonzept mögliche Barrieren und Bedürfnisse bei Zugang und Teilnahme am Projekt von (bestimmten Gruppen von) Frauen und Männern ausreichend in Betracht gezogen (geschlechtsspezifische Zielgruppenanalyse)?
  • Sind Erfahrungen aus Evaluierungen vorangegangener und ähnlicher Projekte eingeflossen?

Ziele

  • Beinhaltet das Projektkonzept konkrete Gleichstellungsziele sowohl bezüglich der Beteiligung von Frauen und Männern am Projekt als auch bezüglich der Wirkung des Projekts? Sind sie ambitioniert und realistisch?
  • Gibt es Angaben, wie (anhand welcher Kriterien) die Erreichung der Gleichstellungsziele gemessen werden soll? Sind die vorgeschlagenen Kriterien adäquat und ausreichend?

Umsetzung 

  • Beinhaltet das Projektkonzept genaue Ausführungen, wie die Gleichstellungsziele erreicht werden sollen?
  • Beinhaltet das Projektkonzept konkrete Vorkehrungen zur geschlechtssensiblen Gestaltung von
    -    Akquisition der Teilnehmer/nnen,
    -    organisatorischer Gestaltung
    -    Unterrichtsgestaltung / Betreuung
    -    Nachbetreuung  

Evaluierung

  • Beinhaltet das Projektkonzept Angaben dazu, wie die Ergebnisse geschlechtsspezifisch gemessen und die Erreichung der Gleichstellungsziele überprüft werden?
  • Werden alle Daten nach Geschlecht differenziert erhoben und ausgewertet?


Quelle: GeM-PraxisHandbuch


Gender Mainstreaming-Auswahlkriterien

Die Aufnahme von verbindlichen Gender Mainstreaming-Kriterien in das Projektauswahlverfahren eines Programms stellt sicher, dass die Antragsteller/innen in ihrem Projektkonzept Gender Mainstreaming ausreichend verankern. Die Gender Mainstreaming-Kriterien sollten auf die im Programm vorgesehenen Vorhaben zugeschnitten sein und den Antragsteller/innen die Anforderungen der Gender Mainstreaming-Umsetzung in den Projekten möglichst konkret vermitteln.

Das Operationelle Programm des Bundes sieht zwei unterschiedliche Auswahlprinzipien vor: 
Nach dem so genannten Windhundprinzip werden die Projektanträge hinsichtlich der programmspezifischen Fördervoraussetzungen überprüft. Alle Anträge, welche diese Voraussetzungen erfüllen, werden bewilligt, bis das Programmbudget ausgeschöpft ist. Werden in einem Programm Projekte nach diesem Prinzip vergeben, so stellt nach Maßgabe des ESF-Bundesprogramms Gender Mainstreaming ein verbindliches Auswahlkriterium dar (OP-spezifisches Kriterium: Beitrag zur Erreichung der Querschnittsziele). Für das jeweilige Programm sollte dieses Kriterium näher spezifiziert werden, indem die zu erfüllenden Mindestanforderungen der Gender Mainstreaming-Umsetzung zugeschnitten auf die förderfähigen Vorhaben konkretisiert werden. Dies erleichtert die Bewertung, ob das Kriterium „Beitrag zur Erreichung der Querschnittsziele“ in den Projektanträgen hinreichend erfüllt ist.

Nach dem zweiten Auswahlprinzip werden aus allen eingereichten Anträgen diejenigen ausgewählt, die den Anforderungen qualitativ am besten entsprechen (Wettbewerbsverfahren). Dazu sind neben den Fördervoraussetzungen weitere Auswahlkriterien für eine qualitative Bewertung und Reihung der Anträge nötig. Auch hier gilt nach Maßgabe des ESF-Bundesprogramms Gender Mainstreaming als verbindliche Fördervoraussetzung, für die konkrete Mindestanforderungen definiert werden sollten, welche in jedem Fall zu erfüllen sind. Darüber hinaus könnten hier weitere Gender Mainstreaming-Auswahlkriterien gesetzt werden, deren Erfüllung die Bewertung und Gewichtung eines Projektantrags erhöht, z. B. in Form eines Punktesystems. Damit würden Anreize für Antragsteller/innen geschaffen, um für eine fundierte Umsetzung von Gender Mainstreaming in ihren Projekten zu sorgen.

In beiden Fällen gilt: Je konkreter die Gender Mainstreaming-Kriterien formuliert sind und je größer ihre Gewichtung in der Projektauswahl ist, desto höher ist die Verbindlichkeit von Gender Mainstreaming und umso besser lässt sich die tatsächliche Umsetzung steuern.
Die Anforderungen an die Projektanträge sollten deshalb – analog zu den für die Begutachtung vorgeschlagenen Punkten - eine Gender-Analyse und die Operationalisierung von Gleichstellungszielen umfassen sowie Angaben darüber, wie diese Ziele zur Förderung der Gleichstellung im Rahmen der Projektumsetzung erreicht und überprüft werden sollen.
Gender Mainstreaming-Auswahlkriterien könnten also sein, dass der Projektantrag

enthält. Je ausführlicher und konkreter die Angaben im Projektantrag dazu ausfallen, desto höher kann dann die hier zu erzielende Bewertung im Rahmen der Projektauswahl ausfallen.


Nächster Schritt: Programmsteuerung


Beispiel Gender Mainstreaming Kriterien
Die Agentur hat für das Programm "rückenwind" beispielhaft einen Leitfaden mit Gender Mainstreaming Kriterien zur Bewertung von Projektanträgen erstellt.
Leitfaden "rückenwind"


Zum Weiterlesen

Materialien zur Projektauswahl finden Sie hier in der Materialsammlung.